Schein und Sein
Wir haben Freitag den 23. April. Es ist 8:48 Uhr. In weniger als zwei Stunden muss ich im Krankenhaus sein, weil mir eine kleine Op bevorsteht. Ich muss nüchtern sein. Das bedeutet kein Frühstück, kein Wasser und das größere Übel: keinen Kaffee!
Vor einigen Wochen habe ich mir den morgendlichen Kaffee abgewöhnt, weil ich mir eingestehen musste, dass der erste Kaffee am Tag meinen Darm überstimuliert. Also bin ich umgestiegen auf Lupinenkaffee, der koffeinfrei ist. Geschmacklich finde ich den super und ich habe mich gefreut, dass Kaffee morgens kein Thema mehr für mich ist.
Heute spüre ich, dass ich damit nicht wirklich über dem Damm bin. Ich habe ein Produkt ausgetauscht, nicht aber die Gewohnheit, sonst würde der heutige Morgen keine Herausforderung für mich darstellen. In diesem Zusammenhang muss ich an mehrere Phänomene denken, auf die ich immer wieder stoße.
Mit der Einführung der E-Zigarette haben sich viele Menschen von heute auf morgen als Nichtraucher tituliert. Fiel es ihnen jahrelang schwer das Rauchen sein zu lassen, hat die E-Zigarette einiges verändert. Was sich nicht verändert hat: Die Rauch-Gewohnheiten bestehen nach wie vor. Für die eine Person ist das die Zigarette nach dem Essen, für die andere eine Gemeinschaftsangelegenheit unter Freunden.
Es wäre wohl nicht mein Blog, wenn jetzt nicht der Übergang zu unseren Essgewohnheiten folgen würde!
Essen ist auch ein Gewohnheitsding für viele Menschen. Dabei spielen nicht nur feste Tageszeiten eine Rolle, sondern auch Emotionen, die wir gewohnheitsmäßig mit Essen besänftigen. Wenn uns dies stört, suchen wir Alternativen, die weniger “schlimm” sind. Angestachelt durch die Diät-Mentalität suchen wir dann nach Lebensmitteln, die “weniger ins Gewicht fallen”. Kaugummis, kalorienreduzierte Nahrungsmittel, viel Kaffee. In diesem Zusammenhang ist mein Blog-Artikel “die dünnen Dicken” interessant.
Ich kann auch beobachten, dass das Abschalten des einen Suchtverhaltens ein anderes begünstigt. Abnehmwillige rauchen dann viel, um sich abzulenken oder sättigen sich mit literweise Kaffee - oder fangen an den Fingernägeln zu kauen.
Ich weiß noch nicht, ob ich meine morgendliche Kaffee-Gewohnheit ablegen möchte. Ich liebe es meinen Tag mit Kaffee (sei es auch Lupinenkaffee) zu starten. Generell ist es wichtig zu überlegen, ob wir ein Verhalten überhaupt ablegen - oder ein neues etablieren wollen. Viele Gewohnheiten sind kostbar. Andere eher unerwünscht. Mit diesem Beitrag möchte ich jedoch darauf aufmerksam machen, dass es wichtig ist hinter die Gewohnheit zu schauen, um Veränderungen zu vollbringen.
Welche Gewohnheit ist dir kostbar? Schreib es gerne in die Kommentare.