Wie dich dein Supermarkt fett macht!
Gestern war es wieder so weit: Ich wollte nur kurz zu Penny um die Ecke, weil der Früchtetee leer war. Mission Heiße Liebe artete in Heiße Liebe, Sweet Kiss und Türkischer Apfel aus. Zusätzlich kam Apfelrotkohl aus der TK-Abteilung hinzu. Die Tulpen die mich an der Kasse so an grinsten legte ich im letzten Moment wieder weg, da die eine den Kopf hängen lassen hat. Ich nach diesem 3-minütigen Speed-Einkauf auch.
Mehr Produkte als geplant
Nach meinen Einkäufen schleppe ich etwa 25 - 50 % mehr Lebensmittel nach Hause als ich zuvor geplant habe. Meistens sind es Produkte, die ich für meine tägliche Ernährung gar nicht vorsehe. Produkte, die mich im Supermarkt ziemlich charmant von der Seite aus anlächeln und flüstern “kauf mich”. In meinem Alltag reflektiere ich diesen immer wiederkehrenden Flirt allerdings gar nicht, bin anstattdessen neugierig, kaufe und freue mich darauf. Meistens merke ich dann zuhause, dass es doch nicht die beste Entscheidung gewesen ist, auch wenn die Verpackung manch eines Produkts Gesundheit, Vitalität und weiteren Hokuspokus verspricht. In meinem Fall bestehen Impulskäufe häufig aus pflanzlichen Proteinriegeln, Kekse aus Körnern die durch Zucker zusammengehalten werden oder zuckerfreien Limonaden. Sobald ich mich etwas eingehender mit dem jeweiligen Produkt auseinandersetze finde ich nicht sonderlich viele Zutaten, die meinen Körper in angenehmer Weise nähren, sättigen und wirklich zufrieden machen. Hast du mal hungrig Kekse gegessen? Es dauert nicht lange und du bist wieder hungrig, stimmts?
Einkaufen ist wie der Besuch in einem Vergnügungspark
Seitdem ich mich vermehrt mit dem Thema Lebensmittelmarketing auseinandersetze stelle ich fest, dass Supermärkte sich immer mehr in Richtung Jahrmarkt entwickeln. Die Vergnügung - das positive Erlebnis rückt in den Vordergrund. Es geht nicht mehr lediglich um Ernährung. Es geht um Zurschaustellung. Es geht um Reizüberflutung. Es geht um ein positives Gefühl.
An dieser Stelle muss ich zugeben, dass gerne einkaufe. Ich gehe sogar regelmäßig in Lebensmittelgeschäfte um “zu gucken”. Und so geht es dem Anschein nicht nur mir.
Im Oktober 2018 eröffnete in Braunschweig eine neue Markthalle. Schon im Sommer hat mir mein Vater davon erzählt und auch einige Freunde und Bekannte informierten mich über dieses Highlight mit Vorfreude. Ich weiß noch wie mein Bruder keine Zeit hatte mit mir einen Kaffee trinken zu gehen, weil er mit meinem Vater und meiner Schwester in die neue Location gefahren ist. Er erzählte mir im Nachhinein von der Größe, von der Atmosphäre, vom Essen - von der Einzigartigkeit. Es dauerte nicht lange und Steven und ich wollten auch hin! In meiner Vorstellung handelte es sich um eine große Halle in der Obst- und Gemüsestände nebeneinander aufgestellt waren und regionale Bauern ihre kunterbunte Ware anboten.
Ich war geschockt, als wir auf dem Parkplatz einfuhren und ich das riesige Schild über der Eingangstür zu lesen bekam. Markthalle Braunschweig Real. Wie eine Seifenblase platzte mein naives Bild innerhalb von einer Sekunde. Die Markthalle ist nur ein weiterer Supermarkt der riesigen Einzelhandelskette.
Was die Nahrungsmittelindustrie weiß
Markthalle hört sich gesund an. Die Nahrungsmittelindustrie weiß an welchen Schrauben sie drehen muss, damit Einkaufen für uns zum Event wird und wir ihr gerne unser Geld geben. Die Nahrungsmittelindustrie macht es uns auch so einfach wie möglich, sodass wir gar nicht mehr nachdenken müssen sondern viele Dinge automatisiert getätigt werden.
So werden Gemüse und Obstabteilungen direkt an den Anfang platziert, denn nicht nur bei einem Date zählt der erste Eindruck. Die großen Hauptgänge wirken wie eine Rennstrecke hin zu den Kühltheken. Alle Wege führen nach Rom kann heute umformuliert werden in alle Wege führen zu Wurst, Käse und Milch. Diese verbergen sich meist ganz hinten, nachdem du einen Großteil der Begierden schon passiert hast und sicher die ein oder andere Leckerei in dem übergroßen Einkaufswagen gelandet ist. In übergroßen Wägen sehen drei, vier Lebensmittel verloren aus, genau wie eine handvoll Pommes auf einem großen Teller traurig wirken. Hinzu kommen Teppiche die dich zwingen etwas langsamer zu gehen, Gerüche die dich animieren ein frisches Brot zu kaufen und Lichter die wir zu Hause auch gut gebrauchen können, weil darunter einfach alles gut aussieht. Dann ist der abschließende Gang durch die Süßigkeiten hin zur Kasse auch gar nicht mehr so schlimm. Du gehst knallhart an Keksen, Chips und Weingummi vorbei? Darf es dann vielleicht die etwas kleinere Portion neben der Kasse sein?
Ich könnte weiter reden über Verpackungsdesign, Inhalte und Nährwertangaben, aber vielleicht bewahre ich mir das für einen anderen Artikel auf. Die Seite Lebensmittelklarheit kann dir einen Eindruck geben, wie wir beeinflusst und hinters Licht geführt werden.
Essensauswahl mal anders
Ich glaube, dass ein anderer Blick für den Supermarkt und die großen Lebensmittelkonzerne helfen kann gute Ernährungs-Entscheidungen zu treffen. Wenn du auch zu den Menschen gehörst, die sich gerne zu Käufen verleiten lässt, weil etwas verlockend aussieht, kannst du dich zur Abwechslung mal fragen, ob sich der Erfinder eines Produktes überlegt hat wie er deinen Körper damit nähren kann oder ob im Vordergrund steht ein möglichst attraktives Etwas herzustellen, an dem er sich eine goldene Nase verdienen kann. Wie viel ErNÄHRUNG steckt in einer Tütensuppe, in einem M&M und in dem ach-so-healthy-Müsli?
Es geht mir nicht darum einzelne Lebensmittel schlecht zu machen. Aber wenn du unter deiner Figur leidest und immer wieder zu verarbeiteten Lebensmitteln tendierst, dann bist du Opfer von mächtigen Konzernen, die schon sehr sehr lange dein Verhalten studieren. Allein mit Willenskraft wirst du kaum die für dich richtigen Ernährungs-Entscheidungen treffen können, aber aufrichtiges Interesse und ein Bewusstsein für deine Handlungen werden dir helfen, dass du dich gerne in Zaum hältst. Wer lässt sich ein Bein stellen? Nur der, der es nicht sieht! Also Augen auf!
Hier ein paar Tipps für deine Lebensmitteleinkäufe:
Halte dich an deine Einkaufsliste
Überlege dir schon vorher worauf du Lust hast, welche Nahrungsmittel dir gut tun und bei welchen es dir nach dem Essen immer noch gut geht. Mal dir eine Brille auf den Einkaufszettel als Zeichen dafür, dass du diesmal mit anderen Augen den Supermarkt betrittst.
Iss möglichst minimalistisch
Mache Produkte, die ohne Verpackung und langen Nährwerttabellen auskommen zu deinen Grundnahrungsmitteln. Umso länger die Zutatenlisten sind, umso eher hat sich jemand überlegt wie man Geschmackserlebnisse optimiert und am besten gar nicht genug davon bekommen kann
Reflektion
Beobachte dein Einkaufsverhalten, indem du dich fragst wie sehr du dich von Marketing beeinflussen lässt.Nimm einen Mann mit in den Supermarkt
Wir Frauen kaufen im Schnitt deutlich weniger, wenn männliche Begleitung dabei ist. Dies wissen auch die Verkaufsprofis und planen Supermärkte so, dass sich die Wege von Mann und Frau ziemlich schnell nach Betreten der Hölle trennen. Halt ihn fest!
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