Völlegefühl - Nein Danke!

 
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Nach einem stressigen Tag komme ich abends von der Arbeit nach Hause. Im Hinterkopf habe ich die Steuererklärung, die ich am besten heute noch fertig mache. Ende der Woche muss sie abgegeben werden.

Erstmal essen. Während ich den Kühlschrank darauf überprüfe was es geben könnte, nasche ich ein paar Nüsse und löffel den angefangenen Joghurt aus. Das letzte Stück Schokolade verschwindet in meinem Mund während ich darauf warte, dass das Nudelwasser kocht. Die Wartezeit überbrücke ich damit meinen Laptop am Esstisch aufzuklappen und die Steuersoftware zu öffnen. Wo hatte ich zuletzt aufgehört? Die Eieruhr klingelt und ich gieße die Nudeln ab, vermenge sie mit einem riesigen Klecks Bärlauch-Pesto auf meinem Teller. Am Esstisch angekommen schiebe ich den Laptop ein Stück nach hinten, so dass ich essen und die Steuer gleichzeitig machen kann. Irgendwie komme ich gerade nicht voran. Ich stehe auf um mir eine weitere Portion zu holen. An der Küchenzeile bleibe ich stehen und spieße mit der Gabel direkt aus dem Topf mehrmals einen ganzen Turm Nudeln auf. Während ich kaue, stelle ich Teller und Besteck in den Geschirrspüler. Ich bin müde und nehme den Laptop mit ins Wohnzimmer, lasse mich auf die Couch fallen und öffne meinen Hosenknopf. Ich muss aufpassen, dass ich nicht aufstoße. Wieso bin ich jetzt so voll? Ich lasse den Laptop von meinem Schoss zur Seite gleiten, nehme die Fernbedienung und schalte das Fernsehen ein.

Ende der Geschichte.

In meinem letzten Blog-Artikel habe ich von Grenzen und von Grenz-Übertretungen gesprochen. Eine liebe Leserin hat mir danach geschrieben, dass das ganz wunderbar zum Thema Völlegefühl passt. Da hat sie Recht.

Unser Körper zeigt uns durch das Sättigungssignal, wann unsere Grenzen erreicht sind. 


Aber warum neigen so viele von uns dazu, diese natürliche Grenze zu übertreten und solange zu essen, bis wir uns regelrecht erschlagen fühlen?

Vielleicht, weil wir uns manchmal nicht eingestehen können, dass wir auch Ruhe und Entspannung in unserem Leben brauchen. Ein Fress-Koma zwingt uns auf die Couch. Unser Körper darf dann endlich zur Ruhe kommen. Ihm bleibt nichts anderes mehr übrig. Nach einer Völlerei wird es jedoch allzu oft laut in unserem Kopf. “Ich Vielfraß, ich bekomme nichts auf die Reihe!”


In meinem Ernährungscoaching ist schon so oft der Satz gefallen, dass man gar nicht wirklich weiß, ob man Hunger hat geschweige denn, wann man überhaupt das letzte mal in seinem Leben hungrig gewesen ist! 

Wenn du lieber Leser nun auch ins Grübeln kommst oder in der einleitenden Geschichte Parallelen zu dir erkannt hast, dann stell dir die folgenden Fragen:

  • Setze ich Essen ein um Gefühle zu betäuben?

  • Welches Gefühl versuche ich zu stillen?


Hierbei kann eine ganze Bandbreite an Gefühlen das Ergebnis sein. 

Hier ein paar Beispiele:

  • Sehnsucht nach Aufregung und Unterhaltung » Langweiliger Alltag, Beruf

  • Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung » stressiger Alltag

  • Trost » Trauer, Einsamkeit

  • Besänftigung » Frustration, Wut, Ärger, Streit

  • Belohnung » stressiger Alltag, Meistern besonderer Herausforderungen


Meine Tipps damit ein Völlegefühl gar nicht erst entsteht

Wie die Geschichte am Anfang verdeutlicht hat, führt Völlegefühl häufig zu Vorwürfen, die wir uns selber machen. Dieser psychische Druck löst Stress aus und wozu Stress führt, wenn wir Emotionen mit Essen bewältigen wissen wir jetzt. Nicht bei allen - jedoch bei vielen zeigt sich ein emotionales Auf und Ab auch in den verschiedenen Kleidergrößen, die der Schrank beherbergt.

Was können wir dagegen tun?


Reflexion

Reflexion spielt hier die wichtigste Rolle. Wenn wir nicht wissen wo das Problem liegt können wir nicht am Problem arbeiten. Dies ist der Haken, warum Diäten vor allem bei Stress-Essern auf Kurz oder Lang fürs Scheitern verurteilt sind. Es wird nicht am Problem gearbeitet, sondern am Symptom. Gefühle lassen sich mit Diäten nicht in den Griff kriegen. 

Frage dich: Wie gefällt mir mein Alltag gerade und wie wirkt sich dies auf mein Essverhalten aus? 


Pause vom Flow

Dieser erschreckende Gedanke nach einer Autofahrt, dass man sich nicht mehr an rote und grüne Ampeln erinnern kann spiegelt den Alltag vieler Menschen wieder. Heutzutage gleiten wir von einer Aufgabe in die nächste. Wir fahren auf die Arbeit und beschäftigen uns schon unterwegs mit dem was uns erwartet. Kaum ist die Arbeit erledigt, denken wir darüber was als nächstes ansteht. Autopilot. Helfen kann, bewusst anzufangen und bewusst aufzuhören. Ich esse jetzt. Ich höre jetzt auf zu essen. Ich fahre jetzt los. Ich bin angekommen. Ich atme kurz durch.


Das Hunger- und Sättigungsgefühl hinterfragen

Habe ich gerade körperlichen Hunger oder emotionalen Hunger? Wie leer/voll fühlt sich mein Magen an? Wenn wir uns das erste Mal mit unserem Hungergefühl auseinandersetzen kann dies anfangs schwierig sein. 

Unterstützen kann uns hier die Arbeit mit einer Hungerskala, auf der wir uns im Laufe des Tages immer mal wieder einordnen. Wir lernen nicht nur, wann wir hungrig und satt sind, sondern wir schaffen uns auch wieder ins Bewusstsein, wie sich diese Signale anfühlen und wie sie sich von Stunde zu Stunde verändern. 

Hunger - und Sättigungsskala: Wir sollten uns immer zwischen 4 und 7 bewegen!

Hunger - und Sättigungsskala: Wir sollten uns immer zwischen 4 und 7 bewegen!


Aufhören zu hungern

Die Diätindustrie hat uns glauben lassen, dass hungern gut sei. Vielleicht ist dies ein weiterer springender Punkt warum Diät-Erfolge meist nur kurzzeitige Erfolge sind. Wenn wir unseren Hunger zu lange aushalten, sei es bewusst oder unbewusst, neigen wir dazu uns bei nächster Gelegenheit zu überfressen. Völlegefühl Hallo! Die Kunst ist seinen Hunger zu honorieren (Essen bei Hunger) und die Sättigung zu akzeptieren (Aufhören bei körperlicher Sattheit). Wer Probleme mit dem Aufhören hat, könnte sich mein Mantra zu nutze machen: Der Hunger kommt immer wieder. Sobald er da ist, esse ich weiter!


Bewusst essen ohne Ablenkung

Wer wieder auf sein körperlichen Kontroll-Instrumente hören möchte, tut sich ein Gefallen in einer ruhigen Atmosphäre zu essen. TV, Handy, Computer, Streitereien, etc. lenken uns ab, sodass wir nicht während des kompletten Essvorgangs unsere Sättigung beachten können. Wenn wir ein Problem mit Völlerei haben, dann lautet die erste Frage: Wann hast du das letzte mal einfach nur gegessen und warst mit allen Sinnen dabei? Mit allen Sinnen zu essen lässt uns genießen. 


Ich hoffe, dass dir diese Tipps von Nutze waren. Brauchst du Unterstützung in deiner Ernährung, dann schreibe mir gerne eine WhatsApp-Nachricht oder rufe mich an. Meine Telefonnummer lautet 01786268707. Natürlich kannst du auch das Kontaktformular benutzen.